Was kann Microsofts KI-Tool „Copilot“ wirklich? Einblicke am Beispiel Excel

Wenn das KI-Jahr 2023 von ChatGPT dominiert worden ist, wird 2024 diese Rolle der „Copilot“ übernehmen. Noch steckt Microsofts KI-Technologie zwar in den Kinderschuhen. Wir sind aber überzeugt, dass der Copilot für KI-basiertes Arbeiten in Unternehmen wichtiger werden wird als alle Tools bisher

ChatGPT und Co. haben das Bewusstsein geweckt, wie schnell sich die Arbeitswelt durch Generative KI verändert – der Copilot hingegen wird das technologische Rückgrat dieser Veränderung sein. Das liegt an vier Dingen:

  1. am Anbieter: Microsoft ist Konzernstandard in der westlichen Welt. Das Unternehmen steht für IT-Sicherheit – angesichts der Kritikpunkte an KI ein Riesenvorteil
  2. an der Grundidee: Mit Copilot wird KI zum vollwertiger Büroassistenten, der nicht nur auf allgemeines Wissen, sondern auf individuelle Unternehmensdaten zugreifen kann.
  3. an den Sicherheitsstandards: Copilot löst eine der größten Schwächen der meisten GenAI-Tools: Er entspricht gängigen Datenschutz- und Compliance-Regeln – auch der DSGVO. Wir erleben bei Kunden von uns jetzt schon, dass IT- und Legal-Abteilungen, die die ChatGPT-Nutzung bisher untersagt hatten, die Microsoft-Lösung problemlos durchwinken. Im Herbst hatten wir hier im Blog bereits mehr zu Datenschutz und Copilot geschrieben.
  4. am Leistungsumfang: Copilot ist ein eigenständiger KI-Chatbot, zudem aber eine tool-übergreifende Technologie. Mit ihr zieht GenAI in diverse Microsoft-Programme ein – wie PowerPoint, Teams, Word, Outlook und Excel. Und das jeweils mit den Funktionen, die zum jeweiligen Programm passen.

Das leistet der Copilot in Excel

Wir testen Microsofts KI-Tool Copilot seit Herbst 2023. Am weitesten ist die Technologie in Excel – weil sie bei der Datenverarbeitung, -visualisierung und -interpretation unterstützt. Unser Screencast zeigt einige Cases:

Falls Sie gestutzt haben beim Intro, hatten Sie Recht: Der Referent ist nicht real, sondern ein Avatar unseres Geschäftsführers, erstellt im KI-Tool „HeyGen“.

Allerdings hat das Können des Copiloten Grenzen: Auffällig ist, dass …

  • die „Tagesform“ stark schwankt. Immer wieder kommt es vor, dass Abfragen, die gestern funktioniert haben, heute zu den für KI-Tools typischen Fehlermeldungen führen („Dafür bin ich nicht ausgelegt …“).
  • Copilot auf Deutsch geschrieben Prompts deutlich schlechter versteht als englische
  • die Technologie nicht wirklich mitdenkt. Bei Interpretationsaufgaben liefert sie eine mögliche Auswertung – aber nicht den Hinweis, dass es verschiedene Ansätze geben könnte und vielleicht ein eher ungewöhnlicher hilfreich sein könnte. Typisch KI: Sie gibt die wahrscheinlichste Antwort, nicht unbedingt die individuell passende. Beziehungsweise tut sie letzteres nur, wenn man den Prompt entsprechend präzisiert.

Das kann Microsofts KI-Tool Copilot in Word, PowerPoint und Teams

  • Word: Unspektakulär, aber hilfreich – so lässt sich die KI-Ergänzung in der Textverarbeitung beschreiben. Copilot hilft bei den gleichen Cases wie ChatGPT oder Googles Gemini, also bei Textbearbeitung und inhaltlicher Konzeption, beim Übersetzen und Redigieren. Gerade GenAI-Einsteiger:innen werden hiervon profitieren.
  • PowerPoint: Copilot-Werbevideos von Microsoft wie dieses verhießen 2023 Spektakuläres: Mit wenigen Klicks sollte man ein Textdokument, etwa ein Whitepaper, in eine PowerPoint-Präsentation umwandeln können – die KI würde die Inhalte entsprechend komprimieren, sortieren und auf Slides verteilen.
    Klingt gut, funktioniert allerdings unserer Erfahrung nach bisher nur rudimentär: Wenn Copilot PPTs im individuellen Kundendesign befüllen soll, zerschießt das Tool fast immer die Layouts. Die Bildauswahl wirkt wie einfallsloses Stock-Material. Und die Strukturen und Begrifflichkeiten sind sehr standardisiert: Warum hatte bisher jede Präsentation, die ich erstellt habe, eine „Tagesordnung“ – sogar die Zusammenfassung einer Social-Media-Studie? Fazit: Bisher ist Copilot in PowerPoint nicht wirklich professionell nutzbar – die Potenziale aber sind bemerkenswert.
  • Teams: Im Chat- und Messenger-Dienst von Microsoft hat das Tool sehr großes Potenzial. Angenommen, Sie kommen nach einer Woche zurück ins Büro und wollen nachvollziehen, welche wichtigen Themen intern diskutiert wurden. Aktivieren Sie Copilot und fragen Sie das Tool nach den wichtigsten Diskussionen, zu erledigenden Aufgaben oder Beiträgen von den für Sie wichtigen Personen. Unsere Tests dazu sind sehr überzeugend.
    Auch in Teams-Meetings ist die Technologie sehr hilfreich: Copilot schreibt in Echtzeit mit, erstellt Protokolle und sortiert Aufgaben. Wichtig: Bevor Sie den virtuellen Assistenten dazu schalten, brauchen Sie aus Datenschutzgründen das Einverständnis aller Meeting-Teilnehmer:innen.

Fazit: Microsofts KI-Tool Copilot wird zum Konzernstandard – daher sollten Unternehmen jetzt schnell sein

Die Technologie ist noch nicht ausgereift, aber die Geschwindigkeit in der KI-Entwicklung der vergangenen Monate hat gezeigt, wie schnell sich dies ändert. Die Integration von Copilot in Microsofts Standard-Software ist so schlüssig, und die Technologie kann – richtig eingesetzt – fast jeden Prozess schneller oder produktiver machen. Daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis Copilot Konzernstandard sein wird.

Unternehmen, die jetzt schnell sind, werden gegenüber dem Wettbewerb Startvorteile haben. Als Auftakt empfiehlt sich ein abgrenzbares Pilotprojekt in einem Team, das bereits mit KI arbeitet – etwa in MarCom, HR oder Kundenservice. Gute Erfahrung haben wir in der Zusammenarbeit von Teams an unterschiedlichen Standorten gemacht, weniger gute im Finance-Bereich. Denn trotz der guten Ansätze in Excel und Teams gehen dort die Erwartungen der Menschen und die Expertise des Tools noch zu weit auseinander.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen