So massiv verändert KI unser Berufsleben.

Generative Künstliche Intelligenz (GenAI) ist das Thema des Jahres. Zurecht, da die neuen Tools den Arbeitsalltag von uns allen verändern werden – gerade in Berufsfeldern wie Marketing, Management oder HR. So nutzen Mittelständler die neuen KI-Chancen fürs Business.

Was haben ChatGPT und Pac-Man gemeinsam? Sie markierten den Anfang einer technologischen Revolution. Pac-Man steht für das beginnende Computerspiel-Zeitalter der 1980er. Aus heutiger Sicht sind Interface und Grafik des Videospiels vorgestrig, damals war beides ein Quantensprung. Was wir derzeit bei GenAI erleben, ist vergleichbar mit Pac-Man: Alles wirkt aktuell revolutionär, sehr bald werden wir den heutigen Stand jedoch belächeln. Der Unterschied: Bei KI wird diese Entwicklung viel schneller gehen – umso wichtiger ist es, jetzt nicht den Anschluss zu verlieren. KI wird uns Menschen zwar nicht ersetzen: KI-Anwender aber werden Nicht-Anwender ersetzen.

So funktioniert GenAI

Was heute geht, war vor einem Jahr noch undenkbar: Ein Tool wie Writesonic schreibt Pressemitteilungen in Sekundenschnelle in Social-Media-Posts um. Mit Midjourney und DALL-E kreieren wir fotorealistischer Bilder für die Website. Perplexity liefert auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnittene Ideen für Marketingkampagnen. Und mit ChatGPT lassen sich die Lebensläufe diverser Bewerber:innen auf einen Klick vergleichen. Oder das Kaufverhalten der Kunden an unterschiedlichen Standorten. 

Was viele dabei übersehen: Technologisch sind die neuen GenAI-Tools gar nicht so revolutionär. Sie basieren auf Large Language Models (LLMs), vereinfacht gesagt riesigen Datenbanken, befüllt mit großen Mengen an Content: Texte, Zahlen, Statistiken – alles, was sich im Netz finden lässt. Sie wurden auf Texterstellung und -zusammenfassung oder Übersetzung trainiert und darauf, Fragen zu beantworten. 

„KI wird uns Menschen zwar nicht ersetzen: KI-Anwender aber werden Nicht-Anwender ersetzen.

Auf Basis von Algorithmen reihen diese LLMs die Wörter aneinander, die am wahrscheinlichsten aufeinander folgen und lernen durch die Interaktion mit uns Usern ständig dazu. LLMs gibt es bereits seit den 2010er-Jahren. Bisher brauchte man aber differenzierte IT-Kenntnisse, um sie abzufragen. Heute kann es jedermann, weil ChatGPT so simpel aufgebaut ist wie Google.

Daher auch der zuletzt oft gehörte Begriff „iPhone-Moment”: Die Smartphone-Technologie war nicht neu, als Steve Jobs 2007 das erste Apple-Telefon vorstellte. Neu war, dass das Interface extrem einfach bedienbar war. So wie es jetzt ChatGPT ist.

KI – mehr Chancen als Risiken 

Daher ist es auch nicht verwunderlich, wie schnell das Tool weltweit populär wurde: In nur 8 Wochen fand ChatGPT 100 Millionen Nutzer – selbst das einst so gehypte Social Network  TikTok brauchte dafür 9 Monate.

Auch Unternehmen haben die Potenziale erkannt: Marketingfachleute betrachteten die neuen Tools überwiegend als „Game-Changer“, die ihnen im Schnitt fünf Arbeitsstunden pro Woche einsparen – so eine Umfrage von Salesforce und YouGov im Sommer 2023. Anders als lange gedacht, sind es dabei nicht die einfachen Jobs, die die KI revolutioniert, sondern eher die der kreativen Geistesarbeiter.

Eine interessante Zahl steuerte Anfang 2023 der Digitalverband Bitkom bei: 79 Prozent der Bundesbürger sind demnach überzeugt, dass KI die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft stärke – 2020 waren es noch 66 Prozent. Der Zuwachs dürfte auch an der Pandemie liegen: Sie hat, mit dem Siegeszug von Videokonferenzen und Cloud Computing, die Offenheit gegenüber neuer Technologie befördert.

Dies deckt sich mit einer Umfrage unserer Mutteragentur In A Nutshell: Demnach sehen zwei Drittel der Kommunikator:innen in GenAI mehr Chancen als Risiken. Überraschenderweise jedoch arbeiten weniger als 25 Prozent mit den bekannten KI-Tools. Heißt: Die Neugier ist da, aber nur wenige setzen ChatGPT & Co so ein, dass sie einen echten Mehrwert bieten.

Achtung von „halluzinierenden“ Tools

Das hat zwei Gründe: fehlende Fähigkeiten und – berechtigte – Skepsis. Bei letzterer geht es um rechtliche Risiken, um ethische und darum, dass selbst die besten Tools manchmal völligen Unsinn ausgeben: Sie „halluzinieren“, wie KI-Experten sagen. 

Das Problem fehlender Fähigkeiten lässt sich lösen, indem Unternehmen eine Kultur des Lernens fördern, KI-Guidelines auflegen, die zum Ausprobieren einladen, und Mitarbeitende schulen. „Wir formen die KI-Technologie, aber sie formt auch uns“, sagt Mira Murati, CTO bei OpenAI, dem Entwickler von DALL-E und ChatGPT. Ein Beispiel: Gute Prompts, also Eingaben im KI-Tool, zu schreiben, wird zur neuen Kulturtechnik werden und neue Berufsbilder etablieren, wie etwa Prompt Engineers.

Die meisten Schwächen der KI können wir als Einzelne nicht beheben, umso wichtiger ist es, sie zu kennen. Drei Beispiele: 

  1. KI denkt nicht über unseren Prompt hinaus, sie fragt nur den Fundus an „Wissen“, mit dem wir sie trainiert haben. Eigene emotionale Erfahrungen und Kontext fehlen ihr. Daher können generierte Texte und Bilder zwar korrekt erscheinen (und sind es zumeist auch), aber sie entstehen ohne tieferes Verständnis. Und für das ganz Neue, das noch nie Gesehene, wird es ohnehin weiterhin menschliche Kreative brauchen.
  2. Wer mit KI arbeitet, muss darauf achten, dass die Inhalte vollständig und korrekt sind: Wir als Nutzer haften für Fehler und Halluzinationen. Das Gefährliche: Viele Informationen wirken auf den ersten Blick richtig, weil der Text insgesamt professionell erscheint. Sie können jedoch vollständig erfunden oder sehr einseitig sein. Letzteres gilt, weil die Tools nur ausgeben, was eingespeist wurde. Midjourney etwa hat zum Beispiel anfangs nur weiße Männer vor christlichen Kirchen gestaltet, wenn man „3 people in front of a house of worship“ haben wollte. „Der größte Fehler ist, zu glauben, dass das Ergebnis, das Sie erhalten, korrekt ist“, sagt daher auch Goda Juskeviciute von LearnPrompting.org, dem größten Open-Source-Kurs für professionelles Prompten.  
  3. Viele juristische Fragen sind ungeklärt: Die Verarbeitung großer Mengen sensibler Daten durch KI birgt Risiken im Hinblick auf Datenschutz und -sicherheit. Ein Streitpunkt ist zudem, ob es überhaupt zulässig ist, dass OpenAI und andere Tech-Firmen ihre Datenbanken kostenlos mit Wissen aus dem Netz gefüttert haben und das nun verkaufen. Es sind bereits mehrere Klagen wegen Verstößen gegen Nutzungsrechte anhängig.

Trotzdem werden GenAI-Tools als digitale Assistenten nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken sein. So wie heute fast niemand mehr auf Suchmaschinen, Kartendienste oder Smartphone verzichten kann. 

Die Angst, dass dies zum Verlust von Millionen Arbeitsplätzen führt, teilen wir nicht. Im Gegenteil: Sicherlich werden wir weniger anspruchsvolle oder sich wiederholende Aufgaben an KI delegieren – so wie bei allen Innovationsschüben zuvor Technologie menschliche Aufgaben übernommen hat. Das jedoch ist eine gute Entwicklung, weil damit mehr Zeit für konzeptionelles und wirklich kreatives Arbeiten (oder Freizeit?) bleibt. Zudem dürfte es im sich zuspitzenden Fachkräftemangel schlichtweg notwendig sein, gewisse Jobs an den Kollegen KI abzugeben, weil die Human Intelligence auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr zu bekommen ist. 

5 Tools, die in den Werkzeugkasten aller Kommunikator:innen reingehören

Schlussendlich wird nicht KI uns die Jobs wegnehmen. Sondern Menschen, die KI nutzen, werden diejenigen abhängen, die es versäumen, die neuen Techniken zu erlernen. Diese Tools sollte daher jede:r kennen, die oder der in Management, Marketing oder HR arbeitet: 

1. ChatGPT, das bekannteste GenAI-Tool, sieht so schlicht aus wie Google und ist ähnlich leistungsstark. Es ist jedoch „keine Suchmaschine, sondern eine Ideenmaschine“, wie CEO Sam Altman sagt. ChatGPT ist großartig zum Brainstorming, um Texte umzuformulieren (etwa um eine interne Mail aus einer Pressemitteilung abzuleiten) und um aus großen Textmengen Informationen zu extrahieren.

2. Die Text-KI Perplexity funktioniert, anders als ChatGPT, Suchmaschinen-basiert. Es greift also generell aufs Internet zu und ist praktisch zur Recherche, weil es immer Quellen und weitere Fragen angibt. In der Texterstellung ist es ChatGPT unterlegen. 

3. Midjourney war eine der ersten großen Bild-KIs. Die Bedienung (Integration in den Messenger Discord) ist umständlich, die Qualität der auf Wunsch fotorealistischen Bilder beeindruckend. Allerdings braucht es die nötige Expertise beim präzisen Prompten.

4. deepl ist das meistgenutzte KI-Tool in Deutschland. Die Übersetzungsfunktion schlägt Google Translate um Längen. Weniger bekannt, aber noch hilfreicher, ist die „Write“-Funktion, die bestehende Texte sprachlich verbessert.

5. Murf steht stellvertretend für diverse Text-to-Speech-Tools, die sehr hilfreich sind für Podcasts oder um Audiospuren für Videos zu erstellen. Es ist sehr einfach bedienbar, jedoch – wie so viele Audio-Tools – im Englischen viel stärker als im Deutschen.

→ Tipp für Schnelleinsteiger: Melden Sie sich hier an zu unseren KI-Workshops und lernen Sie alles Wichtige über die für Sie hilfreichen Tools!

Wie geht es nach der ChatGPT-Begeisterung weiter?

Noch befinden wir uns am Anfang eines klassischen „Hype Cycles“: Die teilweise kindliche Begeisterung für ChatGPT wird sich legen, und GenAI-Tools werden selbstverständlicher Bestandteil unseres Alltags. 2025 wird niemand mehr stolz zu seinem Tischnachbarn sagen: „Schau mal, das hab ich mit ChatGPT geschrieben.” Wir freuen uns heute ja auch nicht mehr lautstark, wenn wir erfolgreich Google benutzt haben.

Mit der KI-Revolution werden allerdings neue Probleme einhergehen – gesellschaftlich, weil sie manche Gruppen technologisch abhängt, und geopolitisch: Das Wettrennen um die besten KI-Lösungen könnte die Gräben zwischen China und dem Westen weiter vertiefen. 

So oder so: Unternehmen im Mittelstand können sich der Entwicklung nicht entziehen. Und hier ist dann doch der Unterschied zu Pac-Mac: Ob wir damals gelernt haben, das Allesfresserchen zu bedienen, war für unsere Zukunft recht unerheblich: Wer hingegen bei ChatGPT nicht mitspielt, der wird in der Berufswelt von morgen den Anschluss verlieren. Quasi: game over.

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