2024 geht in Sachen Generative AI so rasant weiter, wie 2023 geendet ist: ChatGPT hat nun einen eigenen App-Store. Jede:r von uns kann dort eigene KI-basierte Apps einstellen und verkaufen. Der „GPT Store“, wie die Plattform heißen wird, ist online. Wir beantworten alle wichtigen Fragen und erklären, wie Unternehmen profitieren können:

OpenAI: GPT Store läutet neues KI-Kapitel ein

Das Angebot ist jedoch nicht nur für ITler interessant: Die Entwicklung ist so einfach, dass jede:r ChatGPT-Nutzer:in eigene Apps aufsetzen kann.

Dass OpenAI den GPT Store launcht, war zu erwarten. Ursprünglich hätte er sogar schon im Dezember starten sollen. So oder so ist die Ankündigung aber ein Meilenstein in der GenAI-Evolution: Erstmals können Entwickler:innen nun eigene GPT-basierte Apps auf einer professionellen Plattform weltweit vermarkten. Das teilte OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, in einer Rundmail an App-Entwickler:innen mit. Da wir mit In A Nutshell und disruptive bereits eigene Apps bauen, haben wir das Update auch erhalten. OpenAI spricht übrigens bei den KI-Apps einfach von „GPTs“ oder „CustomGPTs“.

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Mit dem Store-Gedanken vollzieht die US-Firma den vermutlich wichtigsten strategischen Schritt nach, den einst Apple gemacht hat: Denn wann ist das 2007 gelaunchte iPhone wirklich zur globalen Erfolgsstory geworden?

Mit dem GPT Store wandelt OpenAI auf den Spuren von Apple

Erst ab Sommer 2008, als Apple den eigenen App Store startete – anfangs übrigens nur mit 500 Apps. Kulturell, sozial und wirtschaftlich hat die Plattform die Art und Weise verändert, wie Menschen arbeiten, sich treffen, kommunizieren, reisen und vieles mehr. Weltweit sind Tech-Startups entstanden, die mit ihren Apps das Apple-Ökosystem erst zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Zudem ist das App-Geschäft auch ein relevanter Wirtschaftsfaktor: Laut Apple haben seit 2008 App-Design und -Entwicklung über 1,5 Millionen Arbeitsplätze in Europa geschaffen und europäischen IT-Entwicklern mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz eingespielt. Allein für Deutschland spricht Apple von 262.000 neuen Jobs – das wären mehr als doppelt so viele Menschen, wie hierzulande etwa bei Volkswagen beschäftigt sind.

Solchen Zahlen sind für OpenAI natürlich Zukunftsmusik – und es ist fraglich, ob der GPT Store sie jemals erreicht. Allein jedoch das Angebot, auf Basis von GPT-4 eigene Programme zu entwickeln, dürfte die KI-Innovationsgeschwindigkeit nochmals erhören und die Position des Marktführers stärken. Die FAZ schrieb in ihrem sehr guten Newsletter D:economy passend dazu auch gleich vom zweiten „App-Store-Moment“, den die Welt gerade erlebe.

Bei OpenAI formulieren sie es naturgemäß etwas altruistischer, nämlich als Beitrag zur Mission, sichere und nützliche KI zu entwickeln. GPTs und der Store würden ein breiteres Spektrum an Beiträgen zur KI-Entwicklung ermöglichen und die Vielfalt der Ideen und Ansätze für sicherere KI-Ergebnisse erhöhen, so das offizielle (übersetzte) Statement.

Die wichtigsten Fragen rund um OpenAIs GPT Store

Wer kann GPTs erstellen?
Die Entwicklung ist so simpel, dass jede:r ChatGPT-User:in eigenen Apps bauen kann. Voraussetzung ist ein GPT+-Bezahl- oder ein Enterprise-Account. Damit kann man direkt im neuen Editor des Chatbots mit der eigenen GPT starten. Die Limitation auf Bezahl-Accounts ist laut OpenAI eine Übergangslösung, künftig sollen mehr User das Angebot nutzen können. Wann „künftig“ sein wird, lässt die Firma noch offen.

Muss man programmieren können, um GPTs zu erstellen?
Nein, es braucht keine Programmierkenntnisse. Damit schließen die CustomGPTs an die Entwicklungen im Bereich „Low Code/No Code“ der letzten Jahre an: Der Grundgedanke dabei ist, dass jede:r Anwender:in selbst Programme schreiben kann, ohne selbst den Code zu verfassen. Stattdessen transferiert die Software unsere Eingaben in Code – wie ein Übersetzer, nur dass wir hier nicht vom Deutschen ins Englische, sondern von gesprochener Sprache in HTML oder andere Programmiersprachen übersetzen. Unsere erste GPT-App, „Bedtime Stories“, haben wir daher auch gänzlich ohne Coding-Kompetenz aufgesetzt. Die KI-App denkt sich persönliche und interaktive Gute-Nacht-Geschichten für Kinder aus.
Um elaborierte KI-Apps zu bauen, sind allerdings ein paar Entwickler-Skills hilfreich. Denn man kann GPTs mit externen Daten oder Diensten verbinden kann – das erfordert zumindest ein grundlegendes Verständnis von APIs und ähnlichem.

Potenziale für Unternehmen im B2C- und B2B-Geschäft

Welche Apps sind für Unternehmen sinnvoll?
Der erste Impuls ist bei vielen, dass GPTs vor allem im B2C-Bereich Sinn ergäben – als Verlängerung des Produkt-Marketings oder zum direkten Vertrieb. Gerade im Medien- und FMCG-Bereich gibt es hier bereits erste Cases oder zumindest Konzepte.
Daneben sehen wir jedoch auch im B2B-Geschäft sowie in HR und Kommunikation große Chancen. Aus Corporate Communication-Sicht etwa erscheinen Newsroom-GPTs sinnvoll. Wir diskutieren mit einem Kunden aktuell ein GPT-Konzept, um Journalist:innen auf leicht zugängliche Art Fragen zu beantworten. Und HR-Abteilungen können Bausteine der Candidate Journey in die Apps auslagern und so Ressourcen in der Ansprache und Talent Attraction sparen. Mit einem Kunden skizzieren wir gerade bereits ein GPT, das in der ersten Phase des Recruiting-Prozesses als „digitale:r Mentor:in“ Bewerber an die Hand nimmt und – en passant – verdeutlicht, wie innovativ und modern das Unternehmen unterwegs ist.
Beide Cases zeigen jedoch auch: GPTs werden nur ein Baustein in der gesamten Zielgruppenansprache sein. Die echten menschlichen Kontakte werden durch die digitalen Assistenzen nicht obsolet, allerdings sicher anders gelagert.

Sind CustomGPTs das gleiche wie Konzern-GPTs, die aus Datenschutzgründen ChatGPT ersetzen können?
Nein, beides wird zurzeit oft verwechselt, es sind aber zwei verschiedene Ansätze. Unternehmenseigene GPTs sind Alternativen zu Bots wie ChatGPT, Perplexity oder Claude, die allerdings keine Daten mit der Öffentlichkeit teilen und sie auch nicht über US-Server laufen lassen. Solche „Konzern-GPTs“ laufen in der Regel auf Basis des Microsoft-KI Copilot.

Wie funktioniert die Erstellung eigener CustomGPTs?
Wie es bei GenAI üblich ist, im Dialog mit dem Bot: Mit dem Editor in ChatGPT unterhält man sich wie mit dem Bot selbst und gibt ihm sukzessive konkrete Anweisungen, was die App können soll, wie sie spricht, wie die User Journey gedacht ist, … Zudem kann man Dateien in die Wissensdatenbank hochladen und Features aktivieren, etwa Websuche, Bilderstellung oder Datenanalyse. Man kann die eigenen GPTs allein für sich nutzen, sie per Link-Sharing Dritten oder komplett öffentlich freigeben. Nur im letzten Fall werden sie auch im GPT Store gelistet

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Gibt es weitere Voraussetzungen neben dem ChatGPT+-Zugang?
Um in den GPT Store aufgenommen zu werden, muss man sein eigenes GPTBuilder-Profil verifizieren. Das geht, indem man einen von OpenAI vorgegebenen Key im Quellcode der eigenen Website hinterlegt. Und die eigene GPT muss öffentlich zugänglich sein.

Sind auch weiterhin private oder nicht gelistete GPTs möglich?
Ja, allerdings werden diese nicht in den Store integriert. Alle, denen man per Link Zugang gibt, können die entsprechenden GPTs jedoch nutzen. Wir haben für uns beispielsweise ein internes GPT gebaut, das als digitale Assistenz alle Fragen rund um unsere Controlling-Software beantwortet. Was wir bisher auf 91 Seiten Word nachlesen mussten, können wir nun ChatGPT fragen.

Offene Fragen beim Datenschutz

Lässt sich mit eigenen GPT Geld verdienen?
OpenAI bejaht dies, hat aber noch keine Details verraten. Momentan sind alle GPTs kostenfrei, und man kann sie nicht direkt im Store verkaufen. Wer mit seinen GPTs Geld verdienen wollte, musste dies über eine eigene Website und angeschlossene Payment-Anbieter wie beispielsweise Stripe tun. Dass OpenAI eine Monetarisierung plant, hat es jedoch schon mehrfach gesagt und beispielsweise ein „Builder Revenue Program“ angekündigt. Entwickler erfolgreicher GPTs sollen darüber Geld für ihre Entwicklungen erhalten. Dieses Modell erinnert an Spotify, wo Content Creator und Künstler entsprechend der Nutzung ihrer Inhalte bezahlt werden. Denkbar ist jedoch auch das Apple-Modell, bei dem Entwickler die Preise ihrer Apps selbst festlegen und Apple einen mehr oder weniger großen Anteil am Verkaufspreis einbehält.

Wie steht es um Datenschutz und -sicherheit in GPTs?
„Ersteller von GPTs haben keinen Zugriff auf die Unterhaltungen der Nutzer mit ihren GPTs“, stellt OpenAI klar und verspricht, sicherzustellen, dass die Drittanbieter-Apps die Nutzungsrichtlinien einhalten und keine schädlichen Inhalte verbreiten. Es wird eine Adresse geben, an die man missbräuchlich eingesetzte GPTs melden kann. Detailinfos gibt es aber auch hierzu noch nicht.

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