Sprechen Sie KI? 5 goldene Prompting-Regeln für Profis

In der neuen Folge unserer Kolumne „KI für Könner“ in W&V erklärt unsere Kollegin Tanja Braemer, wie die Kommunikation mit GenAI-Tools gelingen kann – und wie OpenAI mit ChatGPT-4o die Mensch-Maschine-Interaktion auf ein neues Level hebt. Hier eine leicht gekürzte Version:

Sind Sie schon mal an einem Prompt verzweifelt? Na dann: Glückwunsch! Sie sind auf dem richtigen Weg.

Was ironisch klingen mag, ist ernst gemeint: Wenn wir uns fragen, warum ChatGPT oder andere Text-KIs einfach nicht das gewünschte Ergebnis liefern, dann ist vor allem eins gefragt: Selbstkritik.

Denn wenn generative Text-KIs (in unseren Augen) „Schrott“ produzieren, liegt das zu einem guten Teil, und jetzt kommt die unangenehme Nachricht für uns: an unseren Prompts. Unser unvollständiges Briefing ist ausschlaggebend, wenn die KI nicht versteht, was wir wirklich von ihr wollen und entsprechend schlechte oder nicht valide Ergebnisse liefert. Zum produktiven Arbeiten mit KI gehört ein Prompting-Selbstcheck immer dazu.

Warum ist das so? Oftmals gehen wir davon aus, dass Kontext, Wortbedeutungen oder andere grundlegende Dinge, auf die wir uns bei unserem Prompt beziehen, der KI eigentlich klar sein müssten. Vor etwa einem Jahr habe ich zum Beispiel versucht, ChatGPT eine Pressemitteilung regelrecht abzuringen. Mir selbst war zwar völlig klar, was diese Textform alles braucht, damit sie funktioniert: Aufhänger, Zitate, die Pressekontakte am Ende etc pp.

ChatGPT aber offenbar nicht. Das Tool lieferte etwas völlig Anderes, nämlich einen Text, der zwischen Jubelrede und LinkedIn-Selbstdarstellungs-Post changierte. Was war passiert?

„Alles, was wir einer KI nicht vorgeben, überlassen wir dem KI-Zufall

Agnes Lison

KI ist eine Meisterin darin, Lücken zu füllen. Auch die Lücken in unserem Briefing/Prompt. Ich hatte der KI schlicht nicht erklärt, was ich von ihr haben wollte und was eine Pressemitteilung eigentlich genau ausmacht. ChatGPT hat also aufgrund meiner Ungenauigkeit selbst entschieden, wie das Ergebnis auszusehen hat.

Mit einem ungenauen Prompt geben wir de facto Kontrolle über die Qualität des Ergebnisses ab. Eine Grundregel fürs Prompting lautet also: Alles, was wir einer KI nicht vorgeben, überlassen wir dem KI-Zufall. (Dieser Satz meiner Kollegin Agnes Lison aus unserem Art Department gilt nicht nur bei Visuals, sondern auch für Texte und hilft als grobe Prompting-Richtschnur).

Ein Tool wie ChatGPT wird uns noch dazu grundsätzlich auf jede Frage und auf jedes Briefing eine Antwort liefern. Auch wenn sie noch so unzureichend ist in unseren Augen. Indem wir uns im Detail klar darüber werden, wie das Ergebnis aussehen soll, und indem wir die KI auch genauso briefen, machen wir die Ergebnisse deutlich besser.

5 goldene Prompting-Regeln

Was heißt das nun für uns? Wir bei Disruptive haben fünf goldene Prompt-Regeln definiert, die alle auf einer Grundannahme beruhen: Ein guter Prompt ist aus unserer Sicht so geschrieben, als wollten wir eine:n Trainee an ihrem oder seinem ersten Arbeitstag briefen.

Gute Prompts sind also ausführlich und nehmen die KI an die Hand: Der oder die fiktive Trainee braucht Informationen zum Beispiel über das Ziel der Aufgabe, den Kontext und klare Angaben, wie der Output aussehen (oder auch NICHT aussehen) sollte. So erzielt man schon mit dem ersten Prompt ein gutes Ergebnis. Einige der Prompting-Beispiele im Folgenden hat übrigens ChatGPT geliefert. Hier unsere fünf wichtigsten Prompting-Regeln:

1. Prompten Sie strukturiert

Sie sollten immer vom Allgemeinen zum Konkreten prompten: Geben Sie dem KI-Tool zuerst seine übergreifende Aufgabe. Gehen Sie danach ins Detail und beschreiben Sie, um welches Thema es genau geht und welche Besonderheiten zu beachten sind.

Tests haben gezeigt, dass die Ergebnisse von Text-KIs signifikant besser ausfallen, wenn die Tools aus einer definierten Rolle heraus agieren

Tanja Braemer

Wenn Sie eine Kampagne planen, könnte der Prompt so aussehen: „Erstelle eine Marketingkampagne für unser neues Produkt XYZ. Die Kampagne soll drei Phasen haben: Einführung, Engagement, Abschluss. Jede Phase soll eine kurze Beschreibung und zwei konkrete Maßnahmen enthalten.“ So stellen Sie sicher, dass die Aufgabe für das KI-Tool klar heruntergebrochen wird.

2. Prompten Sie präzise

Legen Sie zuerst die Rolle fest, die das KI-Tool einnehmen soll. Tests haben gezeigt, dass die Ergebnisse von Text-KIs signifikant besser ausfallen, wenn die Tools aus einer definierten Rolle heraus agieren. Wollen Sie zum Beispiel einen LinkedIn-Post schreiben, etwa basierend auf einem Blogpost, geben Sie dem Tool folgende Anweisung: „Du bist ein Social-Media-Experte …“ oder „Handle als Social-Media-Experte …“

Gehen Sie auch auf die Zielsetzung bzw. auch die Zielgruppe ein, an die sich Ihr Text richten soll, und geben Sie Kontext. Also zum Beispiel statt „Du bist ein Social-Media-Experte. Erstelle einen Social-Media-Post über unser neues Produkt“, sagen Sie besser: „Du bist ein Social-Media-Experte. Erstelle einen Facebook-Post für unser neues umweltfreundliches Reinigungsmittel, das 30 Prozent effizienter ist als herkömmliche Produkte. Zielgruppe: umweltbewusste Millennials.“

Oder nehmen wir ein weiteres Beispiel: „Schreibe einen Blogbeitrag über SEO“ wäre allein stehend viel zu allgemein und unpräzise. Werden Sie genauer: „Handle als erfahrener Texter. Schreibe einen Blogbeitrag über die neuesten SEO-Trends 2024, mit Fokus auf die Auswirkungen von KI auf Suchmaschinen-Algorithmen. Der Text richtet sich an interessierte Laien mit geringen Vorkenntnissen im Bereich SEO.“ (Eine Notiz am Rande: Wortwiederholungen in einem Prompt sind übrigens kein Problem.)

3. Beschreiben Sie das gewünschte Ergebnis

Sie wissen schon genau, wie der Ergebnistext aussehen soll oder haben zumindest eine vage Vorstellung? Dann nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, bevor Sie losprompten, und überlegen Sie sich die wichtigsten Eckpfeiler. Es lohnt sich.

Möchten Sie etwa Sinnabschnitte und Zwischenüberschriften im Text haben? Wenn ja, wie viele? Braucht es einen Text-Einstieg? Welche Tonalität soll der Text haben? Möchten Sie reichweitenstarke Hashtags im Ergebnis integriert wissen? Ein Hinweis: Sie können zwar die gewünschte Textlänge oder Zahlenwerte generell angeben – in der Regel wird die KI aber keine verlässliche Punktlandung hinlegen. KIs können nämlich nicht zuverlässig zählen.

4. Prompten Sie auf Englisch

Auf Englisch zu prompten, bringt zumindest aktuell noch deutlich bessere Ergebnisse als Prompts auf Deutsch. Das liegt – entgegen der Meinung vieler – nicht am Datenmaterial. Die KI übersetzt sich einen deutschen Prompt in der Regel sowieso selbst. Ein Grund für ein schlechtes Ergebnis kann dann darin liegen, dass die Übersetzung möglicherweise unpräzise oder nicht treffend genug ist und entsprechend das Ergebnis nicht wunschgemäß ausfällt.


Um dem entgegenzuwirken, können Sie eine KI wie DeepL nutzen, um Ihren deutschen Prompt ins Englische zu übersetzen. Das KI-Ergebnis lässt sich dann ebenfalls mit DeepL wieder zurück ins Deutsche bringen.

5. Geben Sie der KI Feedback

„Kein Genie fällt vom Himmel, auch nicht ChatGPT“

ChatGPT

Die letzte unserer Prompting-Regeln zeigt eine der großen Stärken von KI-Tools auf: Sie lernen von uns. Daher gilt: Wenn der Output der KI im ersten Versuch nicht passt, obwohl Sie unsere Prompting-Regeln beherzigt haben, dann geben Sie nicht auf: Erklären Sie dem Tool im nächsten Prompt, warum nicht, und lassen Sie es nachjustieren. Auch hierbei sollte man so genau wie möglich sein. ChatGPT beschreibt das selbst so: „Kein Genie fällt vom Himmel, auch nicht ChatGPT. Gib Feedback! Wenn die Antwort nicht perfekt ist, sag, was dir fehlt oder was anders sein soll. ,Mehr Witz, weniger Fachjargon, bitte.‘ Iteration ist der Weg zum Erfolg – und zur perfekten Antwort.“

ChatGPT-4o: Next level Mensch-Maschine-Kommunikation

Während wir noch probieren, KIs möglichst effizient mit Text zu steuern, geht OpenAI schon deutlich weiter. Gerade erst hat das Unternehmen das neue OpenAI-Modell vorgestellt. Mit dem neuen Flaggschiff, das in den kommenden Wochen kommen soll, erreicht die Mensch-Maschine-Interaktion ein neues Level.

ChatGPT-4o kann neben Text-Prompts visuelle und Audio-Inputs blitzschnell parallel verarbeiten und darauf reagieren. Auf multimodale Inputs kann das Modell im Kontext reagieren: Wenn wir zum Beispiel ein Foto von einer Bierflasche und einem Führerschein hochladen oder beides in die Kamera halten und das Tool fragen, ob ihm dazu irgendetwas einfällt, kommt: Wer Auto fährt, sollte besser nichts trinken. Ganz schön stark.
 
Die Konversation mit der KI wirkt im Übrigen, als würde man sich tatsächlich mit einem Menschen unterhalten. OpenAI-CTO Mira Murati spricht von „realtime conversational speech“. ChatGPT-4o wird auch kostenfrei verfügbar sein, noch dazu über eine Desktop-App. Man braucht also nicht länger den Browser, um mit ChatGPT in Austausch zu treten.

Die Art, wie wir künftig mit generativer KI kommunizieren, wird mit OpenAIs neuem Modell deutlich einfacher und nahtloser. Und wenn man so will: um einiges menschlicher.

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