
Viva la Revolución!
KI entwickelt sich so schnell, dass es inzwischen völlig chancenlos ist, bei den Technologien vorndran zu bleiben. Hört daher bitte auf, ständig nach den neuen besten Tools zu schielen – nutzt lieber das, was heute schon da ist, sagt Timm Rotter, Gründer der Münchner KI-Beratung disruptive. So wie es neun Mittelständler sehr erfolgreich bei unserem Hackathon „Hack the Mittelstand” gemacht haben. Die neue Folge der W&V-Kolumne „KI für Könner“ lesen Sie hier wie gewohnt paywallfrei.
Inhaltsverzeichnis
Letzte Woche im Münchner Werksviertel: 9 mittelständische Unternehmen, 40 Hacker, 8 Stunden Zeit. Bei der aktuellen Auflage unseres KI-Hackathons „Hack den Mittelstand Vol. 2“ ging es wieder darum, KI-basierte Lösungen für reale Challenges der Firmen zu bauen.
Das Format ist etabliert und erfolgreich, und doch gibt es immer wieder Momente, die herausragen – diesmal bei der Siegerehrung der besten Teams und Prototypen:
Eine Hacker-Gruppe hatte einen AI-Angebots-Agent für einen der größten Handwerksbetriebe Deutschlands gebaut. Arbeit, die früher stundenlang dauerte und sehr fehleranfällig war, erledigt die KI nun in einem Bruchteil der Zeit. Sie wählt auf Basis der Anfrage die passenden Komponenten vor, prüft Verfügbarkeiten und berechnet die Kosten – den Human in the Loop braucht es „nur“ noch für die Freigabe.
Hinweis
Bei Google sehen Sie neben den Suchergebnissen oft aktuelle News-Boxen. Wenn Sie disruptive als bevorzugte Quelle hinterlegen, bekommen Sie dort häufiger unabhängige und fundierte KI-Updates von uns angezeigt. Hier disruptive als bevorzugte Quelle hinzufügen.
„Wir werden das deutsche Handwerk revolutionieren“, rief der Projektleiter des Handwerksbetriebes sichtlich stolz auf der Bühne im Münchner Werksviertel. Und im Publikum meinte meine Sitznachbarin flapsig: „Viva la Revolución!“
Theoretisch ist es banal, in der Praxis des Mittelstandes aber tatsächlich revolutionär: Das nebulöse Konzept KI manifestiert sich als greifbarer digitaler Helfer, der sofort und ganz real Arbeit abnimmt.

Hören Sie auf zu pilotieren – fangen Sie an zu rechnen
Solche Aha-Momente gibt es nicht nur im Handwerk, sondern bei ganz vielen unserer Kunden. Und was der Angebots-Agent für den Dachdecker ist, ist die LinkedIn-Planungs-KI für Corporate Comms und die automatisierte Kampagnen-Adaption für den CMO.
Warum es revolutionär ist, solche Prozesse von der Idee zur Umsetzung zu bringen? Weil genau das sehr vielen MarCom-Abteilungen nicht gelingt: Es wird zwar viel experimentiert, aber kaum skaliert.
Ein Grund, der uns immer wieder begegnet, ist, dass viele Entscheider auf das „perfekte“ Modell warten oder monatelang Benchmarks vergleichen. Genau das ist ein teurer Irrtum. Alle, die bei der OMR waren, haben es vielleicht in Philipp Klöckners sehr einprägsamer Key Note gehört: Die Spitzenreiter bei den KI-Modellen wechseln derzeit etwa alle 2,4 Monate.
Wer also bei seiner KI-Strategie darauf zielt, die eigenen Teams mit dem „besten“ Modell zu versorgen, hat verloren, bevor die Implementierung beginnt.
Vergessen Sie also den Kampf um Platz 1. Ob Microsoft Copilot oder Claude auf dem Papier drei Prozentpunkte besser abschneiden, wenn es darum geht, wer die besseren Blogposts schreibt, ist egal. Ein CMO, der vorausdenkt, investiert daher nicht in einzelne Software-Pieces, sondern in Prozess-Souveränität.
Vom PowerPoint-Chart zur Logik-Kette „Wie Lego-Technik, nur viel cooler“
Der erste Schritt, um diese Souveränität zu erreichen, ist, selbst zu verstehen, wie die Werkzeuge funktionieren. Bei unserem Hackathon haben wir die Unternehmenspartner daher für eine Stunde in eine Masterclass entführt. Dort saßen sie nun – nicht vor Folien über „strategische Transformation“, sondern vor Laptops mit dem Automatisierungstool Make.com.
Unter Anleitung verknüpften sie Datenströme, schoben Code-Nodes über den Screen und bauten ihre ersten Automatisierungen. Als am Ende der Workflow ihre eigenen Mails automatisch sortierte, sah ich in Gesichter, die begriffen hatten: KI ist ein Werkzeug, das man selbst führen kann. Das ist viel eindrucksvoller als jedes Berater-Slide-Deck. „Wie Lego-Technik, nur viel cooler“, sagte ein Geschäftsführer.
Mehr KI-
Updates
gefällig?
In unserem monatlichen Newsletter erhalten Sie ausgesuchte Infos und Einordnungen zu AI, Agents und Automatisierung. Zudem gibt es regelmäßig Einladungen zu kostenlosen KI-Webinaren.
Vier Schritte für echte Marketing-Effizienz
Bei disruptive sehen wir diesen Wandel täglich. Der Weg von der Spielerei zur professionellen Integration folgt vier Schritten:
- Relevante Cases finden: Kennen Sie das „More Pilots than Lufthansa“-Paradox? Heißt: Firmen ersticken in KI-Pilotprojekten, kommen aber nirgendwo in die Skalierung. Daher: Identifizieren Sie die drei bis fünf Prozesse, die am meisten fressen und Fehler provozieren – etwa der Kundenservice, die Aufbereitung von Sales- oder SEO-Metadaten oder das manuelle Lektorat tausender Produktbeschreibungen.
- KI-Change als Chance kommunizieren: Gerade in konservativen Organisationen wird die Case-Suche oft als Vorstufe eines Jobabbauprogramms gesehen. Umso wichtiger ist es, dass Sie den Prozess richtig framen: Fragen Sie in Ihren Teams nach repetitiven Aufgaben, die nerven. Studien aus den USA zeigen, dass die Bereitschaft, solche Prozesse zu automatisieren, auch im Wissen um den möglichen Wegfall von Jobs sehr hoch ist.
- Daten-Check: Liegen strukturierte Daten oder historisches Wissen vor, auf das die KI zugreifen kann – z. B. alle Bilder der relevanten Produktshootings oder die Auswertung der LinkedIn-Kampagnen vom vergangenen Jahr für präzise Prognosen?
- Machbarkeitstest (48-Stunden-Regel): Dieser Schritt ist in der Praxis der wichtigste. Ein echter Hebel-Case muss als Prototyp in maximal zwei Tagen stehen. Wenn die erste Demo Wochen braucht, ist der Prozess zu komplex.
Bei unserem Hackathon haben die Teilnehmer nur 8 Stunden, und selbst das reicht: Fünf von sieben Unternehmen der ersten Auflage von „Hack the Mittelstand“ haben ihre Prototypen inzwischen fest in den Alltag integriert. Viva la Revolución!
