KI-Guidelines für Unternehmen – darum sind sie so wichtig

ChatGPT ist noch kein Jahr alt, und doch ist bereits absehbar, dass Generative Künstliche Intelligenz (GenAI) der Arbeitsalltag gerade in kreativen Bereichen so stark verändern wird, wie keine Innovation zuvor. Viele Firmen haben dies erkannt, experimentieren auch bereits mit den neuen Werkzeugen und definieren das für sie passende Set an GenAI-Tools. Wo hingegen bisher nichts bis wenig passiert, das sehen wir in vielen Projekten, das sind die Bereiche Governance und Unternehmenskultur.

Es braucht ein generelles, für alle Mitarbeitenden greifbares Selbstverständnis, wie die eigene Organisation zu GenAI steht, wie jede und jeder einzelne sich einbringen soll, und wie Potenziale und Risiken bewertet werden. Diese Aufgabe erfüllen KI Guidelines für Unternehmen. Nur eine Minderheit von Firmen verfügt bisher über derart ausgereifte Richtlinien, was sowohl ein regulatorisches als auch ein strategisches Versäumnis darstellt.

Interne Orientierung und Transparenz – KI-Guidelines strategisch besehen

Ohne klare KI-Guidelines lassen Unternehmen nicht nur die Chance ungenutzt, ihre Innovationskraft zu stärken, sondern riskieren auch ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen ihrer Mitarbeiter und Stakeholder. Professionelle Guidelines bieten eine Fülle von Vorteilen:

  • Verantwortungsvolle Nutzung von KI: Sie sorgen für einen ethisch korrekten Einsatz von KI-Technologien, gewährleisten die Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben und vermeiden damit Missbrauch, der das Unternehmen rechtliche Schwierigkeiten und Image-Probleme einbringen könnte. Insofern stellen sie auch eine rechtliche Absicherung dar.
  • Transparenz schafft Vertrauen: Klare Richtlinien erhöhen die Transparenz in Bezug auf die Nutzung von KI und stärken somit das Vertrauen der Mitarbeitenden, der Kunden und der Öffentlichkeit.
  • Risikomanagement: Durch Guidelines werden potenzielle Risiken identifiziert und minimiert, was zu einer höheren Qualität und Sicherheit von KI-Entscheidungen führt.
  • Wettbewerbsvorteil durch ethische KI: Organisationen, die sich durch ethische KI-Praktiken auszeichnen, heben sich im Markt ab und bauen ein stärkeres Unternehmensimage auf.
  • Förderung von Innovation: Klar definierte Regeln schaffen einen Rahmen für nachhaltige Innovation und Produktentwicklung.

KI-Guidelines: Hilfreiche Initiativen aus der Medienbranche

Zumindest auf Seiten von Branchenverbänden gibt es erste Bemühungen, Standards zu schaffen. Erwähnenswert in Deutschland sind hier die Initiativen vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV), der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) und vom Bundesverband der Kommunikatoren (BdKom). Hier jeweils mit Link, Einordnung und Zusammenfassung:

DJV: Dogmatik am Anfang, danach aber hilfreiche Gedanken zu Verantwortung und Weiterbildung

Der Journalisten-Verband ist als Gewerkschaft zunächst seinen Mitgliedern, den Journalist:innen, verpflichtet. Das liest sich auch aus dem eigenen Positionspapier (PDF-Download) heraus – leider nicht zu dessen Vorteil. „Medienhäuser dürfen Künstliche Intelligenz nicht mit dem Ziel einsetzen, Arbeitsplätze von Journalistinnen und Journalisten einzusparen“, steht direkt am Anfang von Position 1 – und das ist schlichtweg rückwärtsgewandt: Medienhäuser müssen sogar, wie alle Unternehmen, KI mit dem Ziel einsetzen, menschliche Tätigkeiten zu ersetzen, wo sinnvoll. Und damit können, je nach Metier, auch Jobs ganz oder anteilig eingespart werden. Medien, die sich diesem technologischen Fortschritt verweigern, werden nicht konkurrenzfähig bleiben. Und dann würden dort mittelfristig noch viel mehr Arbeitsplätze verloren gehen.

Trotz dieser einleitenden Dogmatik ist die DJV-Richtlinie hilfreich, weil sie sich danach detailliert dem verantwortungsbewussten Umgang mit Datenmaterial, Transparenzgeboten und der Verantwortlichkeit für die Inhalte widmet und die große Bedeutung von Weiterbildung für KI-Anwender:innen betont.

DPRG: Verantwortung und Transparenz in der Kommunikation

Die DPRG hat im November 2023 Richtlinien für die Branche definiert, aus der Überzeugung heraus, dass „KI-Systeme die PR-Arbeit einfacher und effizienter gestalten sowie Qualität und Quantität des Outputs potenziell steigern“ können, zugleich aber eben auch Risiken bergen. Die Richtlinie ist eine Art Code of Conduct für PR Professionals und betont vor allem die Bedeutung von:

  • Transparenz: KI-generierter Content muss eindeutig gekennzeichnet sein.
  • Wahrhaftigkeit: Die Erstellung und Verbreitung von irreführendem Content mittels KI, wie Deep Fakes, ist untersagt.
  • Verantwortung: Auftraggeber und Dienstleister sind gemeinsam für die Einhaltung der Richtlinien verantwortlich.

Hier gibt es das Papier zum Download.

BdKom: KI als Chance für Qualitätskommunikation

Der BdKom hat im Herbst 2023 ein Grundsatzpapier verfasst, in dem es vor allem um eine Haltung der Branche zu Generativer KI geht. Die drei wichtigsten Stichworte dabei sind

  • Vertrauen: Ganz wichtig ist, die Integrität und Wahrhaftigkeit von Kommunikation nicht zu gefährden. Wer KI einsetzt, muss dies daher transparent ausweisen.
  • Mensch im Mittelpunkt: KI-generierte Inhalte unterliegen der menschlichen Kontrolle zur Qualitätssicherung.
  • Rechtliche Konformität: Datenschutz und Urheberrecht sollten leitend dafür sein, wie Kommunikatoren KI einsetzen.

Nur „eine offene und konstruktive Haltung zum Thema Künstliche Intelligenz“ könne die Entwicklung der Technologie in einer Weise vorantreiben, die sowohl den gesellschaftlichen Anforderungen als auch den Bedürfnissen der Branche gerecht werde, heißt es in dem BdKom-Papier (hier zum PDF-Download).

Fazit: KI-Guidelines als Schlüssel zum Erfolg

Es ist an der Zeit, dass Unternehmen die Bedeutung von KI-Guidelines erkennen und als integralen Bestandteil ihrer Governance etablieren. Die Initiativen von DPRG und BdKom geben hier sinnvolle Handreichungen, weil sie vermitteln, dass ein verantwortungsbewusster Umgang mit KI nicht nur Risiken minimiert, sondern auch Chancen bis hin zu Wettbewerbsvorteile eröffnet.

Was beiden fehlt, das sind Antworten auf die Frage, wie die Mitarbeitenden denn nun mit GenAI genau umgehen sollen, welche Prozesse und Regeln gelten und welche Tools wofür freigegeben sind. Diese operativen Details sind allerdings auch zu individuell, als dass Branchenverbände sie vorgeben könnten.

Wir bei disruptive sind jedenfalls überzeugt: Nachdem 2023 ein Jahr des Staunens und Ausprobierens in vielen Firmen war, wird 2024 das Jahr, in dem die GenAI-Nutzung auf ein solides Fundament gestellt werden muss. KI-Guidelines sind hier ein zentraler Baustein.

Haben Sie Fragen zur Entwicklung und zur Einführung von KI-Guidelines. Wir haben entsprechende Projekte in unseren KI-Beratungsprojekten bereits mehrfach umgesetzt. Schreiben Sie uns einfach eine kurze Mail – wir melden uns bei Ihnen.

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